Die Alte Schule

Das alte Kantorat
Das alte Kantorat bis 1869 – © B. Winkler

Wo heute Handwerksbetriebe ihren Sitz haben, gingen früher die Kinder aus Bergenhusen und Umgebung zur Schule. Bereits aus dem Jahr 1691 gibt es erste Hinweise auf ein Schulgebäude. Spätestens seit 1776 stand hier das alte Kantorat, ein dreiteiliger Langhausbau in Niedersachsenform. 1870 wurde der Bau durch das neue Kantorat ersetzt: Erneut war dies ein Niedersachsenhaus, ergänzt um einen Winkelanbau für Kantor und Schulleiter. 1961 wurde die Schule zu klein, daher und aufgrund eines fehlenden Schulhofs wurde der erforderliche Neubau an den heutigen Standort verlagert.

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Die Übersetzung der Bibel durch Luther im Jahr 1521 in Eisenach hatte auch weitreichende Auswirkungen auf das weit entfernte Bergenhusen: Schulen wurden im Zuge der Reformation in ganz Schleswig-Holstein allgemein notwendig. Anfangs fand der Unterricht noch in freien Räumen von Bauernhäusern statt, wurde aber im Laufe der Zeit in richtige Schulgebäude verlegt. Im 17. und 18. Jahrhundert unterrichtete der Organist die Schülerinnen und Schüler im Anbau des alten Kantorats. Für das 18. Jh. ist eine Dreiteilung des Hauses in Wohntrakt, Stallungen und Schultrakt belegt. Letzterer bestand aus zwei Klassenzimmern, eines für die Elementar- und eines für die Oberklasse.

Zu dieser Zeit gab es in jedem kleinen Dorf eine Schule, so zum Beispiel auch in den damals noch eigenständigen Dörfern Kleinsee (heute Straßenzug Lüttensee) und Fünfmühlen. Im 19. Jahrhundert kam es schließlich zur Auflösung dieser Nebenschulen. Die Folge war ein hoher Schülerandrang, der einen Neubau der Schule nötig machte. Das neue Kantorat mit einem Schultrakt für knapp 200 Schülerinnen und Schüler, die in drei Klassenzimmern unterrichtet wurden, entstand 1870. Dabei befanden sich die Wohnungen der Lehrer mit im Schulgebäude.

Das neue Kantorat 1870 – © B. Winkler

Zahlreiche weitere Entwicklungen des Schulhauses gab es schließlich im 20. Jahrhundert. Neben separaten Wohnungen für die Lehrer und mit Torf beheizten Öfen in den Klassen wurde auch eine Schulspeisung eingerichtet. Schließlich verlegte die Dorfgemeinde zudem die hiesige Bibliothek in die Schule.

In den 1950er Jahren wurde allerdings ein erneuter Neubau der Schule notwendig. Grund dafür war neben der Notwendigkeit, ein viertes Klassenzimmer einzurichten, auch die Erhöhung des Verkehrsaufkommens in Bergenhusen. Da die damalige Schule über keinen Schulhof verfügte, war der Bewegungsspielraum der Schülerinnen und Schüler stark eingeschränkt. So wurde der Standort stark verlagert, 1959 das heutige Schulgebäude eingeweiht und schließlich 1961 die alte Schule abgerissen.

Bildquelle:
J. Paarmann, Geschichte der Schule in Bergenhusen – 1. Teil. In: Gemeinde Bergenhusen (Hrsg.), Bergenhusen Dorfbuch 1 (Krempel 2004) 118-139. Zeichnung: Birgit Winkler