Ein Wikingersax im Sorgeschlamm

Fundzeichnung des Sax. Unten vergrößerte Ansicht des Griffbereichs – © ALSH

Etwa 450 m südwestlich der Brücke bei Fünfmühlen wurde in der Alten Sorge bei Baggerarbeiten ein einschneidiges Hiebschwert gefunden, ein so genanntes Sax. Mit einer Länge von 48 cm war es eher kurz und daher als Saxmesser zu bezeichnen. Saxe waren zwar von der Eisenzeit bis ins Hochmittelalter verbreitet, die spezielle Form dieses Fundes belegt jedoch, dass er aus der Wikingerzeit (800–1050 n. Chr.) stammt. Früher muss das Fundstück einen prächtigen Anblick geboten haben: Knauf und Parierstange waren auf der Schauseite dicht mit schmalem Goldband belegt, die Ober- und Unterseiten des Schwertes zudem im Feuer vergoldet worden.

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Das Saxmesser der Wikinger wurde als Hiebwaffe im Kampf genutzt, zusammen mit einem bis zu 100 cm durchmessenden Rundschild aus Holz. Gleichzeitig war das Sax jedoch auch ein Alltagswerkzeug, das beispielsweise für Holzarbeiten verwendet werden konnte. Grundsätzlich war ein Saxmesser eine erschwingliche Waffe: Während man für ein Langschwert mit Scheide den Gegenwert eines Pferdes bezahlen musste, entsprach ein einfaches Kurzschwert nur dem Wert von rund 40 kg Korn. Das aufwendig verzierte Stück aus der Sorge wird jedoch wohl deutlich teurer gewesen sein.

Entsprechend groß dürfte der Ärger des Eigentümers über den Verlust gewesen sein. Zwar sind aus der Wikingerzeit bislang keine Siedlungsspuren in der näheren Umgebung bekannt, die nahe gelegene Treene wurde jedoch regelhaft von Handelsschiffen der Wikinger befahren. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass auch an der Sorge gelegentlich Wikinger vorbeikamen, vielleicht um Handel zu treiben oder nach neuem Siedlungsland Ausschau zu halten. Bei einer solchen Gelegenheit könnte die Waffe über Bord gegangen und im trüben Wasser der Sorge verschwunden sein.

Bildquelle:
G. Loewe, Archäologische Denkmäler Schleswig-Holsteins, Bd.8, Kreis Schleswig (seit 1974 Kreis Schleswig-Flensburg), Neumünster 1998, Tafel 152, 1.